pia Social Media-Expertenrunde: Gespräch mit Michael Praetorius

geschrieben am 12. Mai 2010 von Pia Kleine Wieskamp

In dieser Interviewreihe “Social Media-Expertenrunde” spreche ich mit Social Media-Praktikern sowie -Influencern über ihre Erfahrungen, Praxistipps, Meinungen und Visionen. Nach Meike Leopold, Thomas Pfeiffer, Leander Wattig, Michaela von Aichberger, Heiko Ditges , Jochen Mai , Holger Schmidt , Oliver Berger und Richard Joerges wird die Social Media-Expertenrunde mit Michael Praetorius fortgesetzt:

Michael Praetorius kurz vorgestellt:

Michael Praetorius ist als Berater und Publizist tätig. Sein Unternehmen NOEO entwickelt Online‐Strategien, Webanwendungen für Online‐Inhalte sowie Social Media Konzepte. Praetorius ist zudem seit vielen Jahren als Journalist für Hörfunk, TV‐ und Online‐Medien tätig. Privat agiert er als Blogger und produziert den Münchner Medien‐Talk „Isarrunde“.Weitere Informationen zu Michael Praetorius findet man in seinem Blog www.praetorius.de.

AW: Michael, man bezeichnet Sie als Social-Media-Experten – würden Sie sich selbst auch so bezeichnen?
MP: Ich glaube nicht erst seit Facebook und Digg.com, dass wir unsere klassische Vorstellung von Leitmedien ins Museum hängen können. Das macht mich aber nicht zum Experten. Ich sehe mich eher als ein Onliner der ersten Stunden und bin seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn in den klassischen Medien zuhause. Ich beschäftige mich seit Jahren mit Communities und dem Aufbau von Online-Angeboten. Mit dem Social Web bin ich erstmals als Podcaster und dem Lesen von Blogs warm geworden.

AW: Was verstehen Sie unter dem Oberbegriff „Social Media“?
MP: Jeder kann zum Sender und Publisher werden. Die Qualität oder Quantität des Inhalts spielt dabei gar keine Rolle, es geht hier nicht um eine Qualitätsdebatte um Blogs oder Bürgerjournalismus, sondern darum, dass jeder Internetnutzer mit seiner wie auch immer gearteten Veröffentlichung innerhalb seines sozialen Umfelds eine gewisse Relevanz erreichen kann. Damit müssen wir umgehen lernen. Die Relevanzdefinition der klassischen Nachrichten, wie Nähe zum Leser oder Priorität, können wir damit nicht mehr vergleichen.

AW: Ein Projekt von Ihnen ist die Social Media TalkshowIsarrunde. Bitte erzählen Sie von diesem Projekt?
MP: An dieser Stelle empfehle ich eigentlich gerne das Video-Making of der Isarrunde.

Die Isarrunde ist eine WebTV-Sendung, die sich mit dem Einfluss digitaler Trends auf unser Alltagsleben beschäftigt. Die Idee zur Sendung war, eine Talkshow ohne TV-Sender zu produzieren, die nur im Web zu sehen ist und sich auch nur über social Media verbreitet. Das ist gleichzeitig eine wunderbare Sandbox, um alle Methoden des Social Media-Monitorings und -Marketings am Lebenden Objekt zu testen, ohne das Image eines Unternehmens aufs Spiel zu setzen. Wir drehen einmal in der Woche mit sehr hohem technischen Aufwand eine HDTV Sendung, platzieren die Episoden im Social Web und interagieren viel mit unseren Zuschauern per Twitter, Facebook und die Kommentare im Blog oder dem YouTube-Kanal – so wie man dies in der Umsetzung einer Social Media Strategie eben tun sollte. Soweit der Blick hinter die Kulissen der Isarrunde. Für den Zuschauer zeigen wir einen Diskussionsrunde mit Medienschaffenden aus München, die über Privatsphäre im Web, den Einfluss des Social Webs oder den Medienshift vor der Kamera sprechen.

AW: Viele Leute haben ein Aha-Erlebnis im Social Web – gab es das bei Ihnen auch?
MP: Ja, ich arbeite seit Jahren für das Radio und TV und war oft bei großen Sendern zu hören oder sehen, was oft positive wie negative Zuschauermails oder Hörermails als Feedback verursachte. Dass Blogbeiträge oder Podcasts, oder sogar mal eine Twitter-Statusupdate allerdings mehr Feedback erzeugen können, als eine Radio- oder TV-Appearance hat mir gezeigt, dass wir das Social Web genauso ernst nehmen müssen, wie klassische Massenmedien.

AW: Michael, welches Ziel verfolgen Sie beim Einsatz von Social Media und wie hat es Ihr Leben und Ihren Job beeinflusst?
MP: Es fällt uns zunehmend schwerer berufliches und privates zu treffen, was für Menschen wie mich, die ihren Job lieben noch erträglich ist. Für viele Menschen ist dies aber auch eine starke Belastung, mit der sie zurechtkommen lernen müssen. Unser Leben ist zudem öffentlicher geworden. Da muss man ein wenig aufpassen nicht zum C-Promi seines sozialen Umfelds zu werden. Ich glaube, dass darin aber auch eine große Chance steckt. Wir können sehr viel vernetzter privates mit Freunden erleben und lockerer in Teams arbeiten.

Ich persönlich führe über Social Media ein verhältnismäßig transparentes und öffentliches Leben, bewahre mir aber auch meine Privatsphäre. Beruflich nutze ich das Social Web, um mein Netzwerk an Kunden, Partnern und Gleichgesinnten zu pflegen und zu erweitern. Für meine Kunden entwickle ich Online-Strategien, die das Social Web bewusst mit dem Unternehmen vernetzen. Ziel ist es, den Fisch dort zu fangen, wo er schwimmt und für Konsumenten vor Ort anwesend zu sein, ob dies nun ein Point of Sale, ein Infostand oder Facebook ist.

AW: Was sind denn Ihre wichtigsten Erfolgsfaktoren im Social Web?
MP: Man muss sich klare Ziele stecken. Facebook-Fans und Twitter-Follower sind eine nette Messgröße, aber wir müssen klar zwischen financial und non-financial Impacts von Social Media unterscheiden. Auch Social Media Maßnahmen brauchen einen Planung von Aktionen und zu erreichenden Meilensteinen. Eine große Chance in Social Media besteht darin, relativ günstig viele Menschen erreichen zu können. Dazu muss man jedoch die Sprache der Nutzer sprechen und als Unternehmen auf deren Augenhöhe agieren.

AW: Treffen Sie Ihre Social Media Kontakte auch im realen Leben?
MP: Ja, sehr oft. Ich suche sehr oft den Kontakt zu Menschen, denen ich bei Twitter folge. Ich halte nicht viel von reinen virtuellen Bekanntschaften. Wenn jemand online mein Interesse weckt „de-virtualisiere“ ich dieses Erlebnis gerne.
AW: Welche Tipps geben Sie Unternehmen im Umgang mit Social Media?
MP: Ich empfehle das Thema Social Media weit oben im Unternehmen aufzuhängen und dann für die einzelnen Bereiche des Unternehmens den Impact einzuschätzen. Der Umgang mit Social Media in der Pressestelle ist sicherlich ein anderer als bei der Produktentwicklung oder dem Customer Care. Letztendlich muss man sich im Klaren sein, dass es um eine hochgradig fragmentierte und digitalisierte Form der Kommunikation mit verschiedensten Personen handelt, die man nicht über einen Kamm scheren darf.

AW: Zukunftsmusik: Wohin entwickelt sich Ihrer Meinung nach das Internet?
MP: Nach 2.0 müsste ja jetzt irgendwann mal Version 3.0 kommen, oder ;-)

Wenn ich Wünsche an das nächste Update äußern darf wird es noch echtzeitiger, noch persönlicher, mobiler und lokaler. Augmented Reality und die eigenständige Kommunikation von Netzwerken werden uns in den nächsten Monaten noch stark beschäftigen.

AW: Danke für das Gespräch.

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5 Reaktionen zu “Social Media-Expertenrunde: Gespräch mit Michael Praetorius”

  1. Tweets die Addison-Wesley-Blog » Blog Archiv » Social Media-Expertenrunde: Gespräch mit Michael Praetorius erwähnt -- Topsy.com

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von SEO mit 'nem Vogel erwähnt. SEO mit 'nem Vogel sagte: Addison-Wesley-Blog » Blog Archiv » Social Media-Expertenrunde … http://bit.ly/c9Scc9 #SMO [...]

  2. jana

    4.0 was soll das werten??? MFG jana

  3. jana

    naja erstmal kommt ja 3.0 noch mehr Netz für alle…

  4. pia

    Hm, ich frage mal den Michael.
    Pia

  5. pia

    Ja, manche Personen sind sehr zukunfstweisend – oder eine evtl. Vertipper – ich frage Michael.
    Pia

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