Social Media-Expertenrunde: Heiko Ditges
geschrieben am 25. März 2010 von Pia Kleine Wieskamp
In dieser Interviewreihe “Social Media-Expertenrunde” spreche ich mit Social Media-Praktikern sowie -Influencern über ihre Erfahrungen, Praxistipps, Meinungen und Visionen. Nach Meike Leopold, Thomas Pfeiffer, Leander Wattig und Michaela von Aichberger wird die Social Media-Expertenrunde mit Heiko Ditges fortgesetzt:
Heiko Ditges kurz vorgestellt:
Heiko Ditges, Webaholiker, Online Marketeer, Social Media Consultant, lebt getreu seinem Motto „analog atmen – digital leben“ in München.
Seit 2008 ist Heiko Ditges als Senior Social Media Consultant/ Teamleader bei der bigmouthmedia GmbH beschäftigt. Wer wissen möchte, was ein Online Media Consultant so treibt, der kann das hier erfahren:-)
Weitere Informationen bzw. Social Web Aktivitäten zu Heiko Ditges findet man unter:
- http://heikoditges.de/ – private Homepage
- http://heiko-ditges.de/ – privater Social Media News Room
- http://twitter.com/heikoditges- twitter Channel
- https://www.xing.com/profile/Heiko_Ditges – XING Profil
AW: Heiko, man bezeichnet Sie als Social-Media-Experten – würden Sie sich selbst auch so bezeichnen?
HD: Jein, mittlerweile kursieren diverse Jobbezeichnungen im Netz herum, angefangen von Social Media Ninja bis hin zum Social Media Experten. Ich bleibe dann lieber beim Consultant, da das Netz in ständiger Bewegung ist und somit das Lernen nie ein Ende haben wird, um ein Experte zu sein.
AW: Viele Leute haben ein Aha-Erlebnis im Social Web – gab es das bei Ihnen auch?
HD: Das war 1995 und das Aha-Erlebnis war… „Woooar das gibt es sogar in Farbe!“ Hintergrund. Ich war mit BTX unterwegs und in diversen Mailboxen, diese waren aber (zusammengefasst) alle schwarz weiss… Auf einmal gab es 256 Farben und mehr…
Ein weiteres Erlebnis war eine Wette mit einem Wirt, sein Laden war dürftig besucht und ich war der festen Überzeugung, den kriegt man auch voll. Durch das Netz haben wir es damals in einem Zeitraum von vier Wochen geschafft, an einem Wochenende den Laden bis zur Decke zu füllen. Heute heißt sowas Flashmob – damals nicht, hat dennoch funktioniert
AW: Was verstehen Sie unter dem Oberbegriff „Social Media“?
HD: Social Media stellt in meinen Augen erst mal ein Oberbegriff dar, der ein gemeinsamer Nenner für, in erster Linie technische Entwicklung, sprich Tools die einem zur Verfügung stehen um Interaktion, Kommunikation oder auch Handel zu forcieren ist. Nicht zu vergessen, aber auch die technische Entwicklung in Bezug auf Geschwindigkeit des Netzes, also die Anbindung an das Netz als solches. Was sowohl die Tools, als auch die Geschwindigkeit geschafft haben, sie haben alles einfacher gemacht. Timm Berner-Lee, der „Erfinder“ des Word Wide Webs hatte sich damals schon zur Aufgabe gemacht, ein Netz für alle zu schaffen, jeder sollte teilhaben und ein Teil dessen werden. Aber es war umständlich, der erste Browser hatte seiner Zeit bereits einen Composer mit dabei, um Webseiten zu erstellen und hochzuladen. Dies setzte aber voraus, dass man eine Auszeichnungssprache (HTML) beherrschte und wußte, wo man diese hoch lädt. Nach und nach gab es dann Tools die das Ganze leichter machten, bzw. die Geschwindigkeit ermöglichte es dann schlussendlich auch, dass der Einsatz von Videos heutzutage selbstverständlich ist. Mein erstes Modem schaffte 9600 Bauds – ein YouTube Video von 5MB hätte damals ca. 500 Minuten (also knapp 8 Stunden) gedauert, bis man es hätte sehen können. Heutzutage wartet man keine 30 Sekunden, wenn ein Video nicht lädt.
AW: Heiko, was ist Ihr Ziel beim Einsatz von Social Media und wie hat es Ihr Leben und Ihren Job beeinflusst?
HD: Social Media ist, um das mal vorauszustellen, kein Hype oder Bewegung der letzten Jahre, vielmehr handelt es sich hierbei um eine mediale Verschiebung. Unsere Urahnen haben sich bereits am Lagerfeuer getroffen, um sich zu Informieren, zu kommunizieren, zu handeln, sich miteinander oder auch untereinander auszutauschen. Nichts anderes machen wir nun eben in einem Medium – dem Netz. Was sich in der Tat geändert hat, ist zum einem die Geschwindigkeit – Real Time Web, aber auch die Erreichbarkeit – das Netz schläft nicht. Was man auch nicht vergessen darf – das Netz vergisst nichts.
Meiner Meinung nach, und das ist das, wo ich den größten Nutzen sehe, stellt das Social Web ein Monitoring dar, sprich das Messen und Analysieren von User generated Content (von Nutzer generierten Beiträgen), da dies als Motor im Online-Marketing-Mix gesehen werden kann. Ausgehend eines kontinuierlichen Monitorings können für sämtliche Disziplinen des Online-Marketings Handlungsempfehlungen gezogen werden, um so zielgerichtet zu agieren.
Wie es mich persönlich beeinflusst hat, erklärt am besten mein Motto: Analog atmen – digital leben.
AW: Was sind denn Ihre wichtigsten Erfolgsfaktoren im Social Web?
HD: Berechtigte Frage, im Online-Marketing heißt es immer: Das ist Online, da ist alles messbar.
Ist es auch, aber es gibt derzeit keine einheitlichen Messgrößen fürs Social Web, da die Plattformen untereinander auch zu unterschiedlich ist.
Derzeit arbeiten wir auf Basis von Kommunikationsvolumen und Tonalitäten, hierbei gilt es, durch gezieltes Monitoring zu ermitteln, wie sich ein Brand, oder ein Produkt im Social Web entwickelt bzw. wie dessen Wahrnehmung ist. Hinzu kommen Faktoren wie Nutzerzahlen auf den unterschiedlichsten Plattformen oder Abrufzahlen von Videos. Hier muss man allerdings differenziert die ermittelten Werte betrachten.
Beispiel: YouTube
YouTube selber gibt jedem den Wert der Abrufe ersichtlich heraus. Aber nur der Content-Einsteller, sprich der Besitzer eines Videos, bekommt zusätzlich demographische Informationen, oder kann Absprungsraten einsehen. Ein 30-Sekunden-Video mit über einer Million Abrufen kann einen Erfolg darstellen – man könnte davon ausgehen, es hat viele erreicht, wenn allerdings nach 4 Sekunden mehr als 95% abspringen, ist die Absprungsrate so hoch, dass das Video als solches als nicht relevant zu betrachten ist.
Beispiel: Facebook
Facebook bietet die Möglichkeit von Fanseiten, sprich Unternehmen haben eine Präsenz auf Facebook und können Freunde um sich herum aufbauen. Auch hier ist für jeden ersichtlich, wie viele Fans eine entsprechende Seite hat – nur der Admin einer Fanseite bekommt mehr Daten und hat die Möglichkeit, konkrete Rückschlüsse zu ziehen. Auch wenige Fans können viel Interaktion bieten, aber auch umgekehrt gibt es den Fall – viele Fans, keine Interaktion.
AW: Treffen Sie Ihre Social Media Kontakte auch im realen Leben?
HD: Ich bin auf unterschiedlichen Social Web/Media Veranstaltungen/Events in Deutschland unterwegs und habe somit immer die Gelegenheit, Kontakte aus dem Netz persönlich kennenzulernen, was durchaus wichtig ist. Mit Kontakten außerhalb Deutschlands ist es nicht immer einfach, aber auch das lässt sich hin und wieder realisieren.
AW: Welche Tipps geben Sie Unternehmen im Umgang mit Social Media?
HD: Es gibt eigentlich zwei Regeln: “Zu hören – verstehen – handel” und “authentisch sein”.
Kurz erklärt:
- Zuhören: Durch Social Web Monitoring sich ein Bild machen, wie die Stimmung im Netz über ein Produkt oder Brand ist.
- Verstehen und Auswerten des Monitorings, also wo wird über mich geschrieben, wer schreibt über mich und vor allem, was wird über mich geschrieben.
- Handeln: Erst wenn ich verstanden habe, wie ich im Netz wahrgenommen werde und an welchen Stellen. Es macht nicht für jedes Unternehmen Sinn, zu twittern oder eine Facebook-Fanseite zu haben. Wichtig ist zu erkennen, wo finden Aktivitäten statt, und kann ich mich dort mit einbringen. Es sollte alles auf Augenhöhe stattfinden, weder die juristische Keule noch von oben herab ist dienlich, wenn man sich dem Netz „öffnet“.
Was dann auch direkt die Weiterleitung zum Authentisch sein wäre. Es hilft keinem, wenn man sich verstellt, eine Lieschen Müller die sich als Erne Schnabel ausgibt, wird früher oder später erkannt, und der entstandene Schaden ist größer als das, was das zweite Ich geschönt hat.
AW: Wo sehen Sie den Unterschied zwischen Social Media im Unternehmenseinsatz, privaten Gebrauch und künstlerischen Einsatz?
HD: Für mich selber sind die Grenzen zwischen Beruf und Privat mittlerweile verschwommen. Es gibt eine Person, in meinem Falle mich, diese ist im Netz auffindbar – bewusst und gewollt. Was ich twittere hat sowohl was mit dem Beruf zu tun, neues im Bereich Social Media, oder aus dem Bereich Online-Marketing, aber auch hier und da privatere Dinge – wo ich mich grade aufhalte, welches Konzert ich besuche. Die Grenze ist je tweet noch ein wenig klarer – betrachtet man meine gesamte Timeline (alles von mir Geschriebene auf twitter) gibt es keine Grenze mehr, und alles kann sowohl mir als Heiko, privater Natur, als aber auch Heiko, beruflicher Natur, zugeordnet werden. Der Leser bildet sich ein Gesamtbild meiner Person, ggf. werde ich auch im Vorfeld gewertet und für gut oder schlecht empfunden, ohne einen persönlichen Kontakt gehabt zu haben. Aus der Sicht der Kunst, Andy Warhol hat es bereits gesagt: Jeder hat seine 15 Minuten Ruhm… und diese kann ein Jemand recht schnell im Netz erhalten – ist aber auch alles eine Frage der Definition, was ist Ruhm – bzw. was sind viele Views
AW: Zukunftsmusik: Wohin entwickelt sich Ihrer Meinung nach das Internet?
HD: Wie bereits erwähnt, ein großer Wunsch wäre, in der Tat Medienkompetenz in Schulen zu bringen und als Fach zu etablieren. Wir müssen lernen und verstehen, wie die Nutzung und das Benutzungsverhalten mit dem Medium Internet funktionieren, und wie man sich verhält.
Visionen… das Netz schläft nicht, und hat täglich was Neues zu liefern, es ist mobil angekommen, jetzt fehlt nur noch der Cinch Anschluss im Nacken
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AW: Danke für das Gespräch.
Am 25. März 2010 um 17:54 Uhr
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Addison-Wesley , PKW, Pia Kleine Wieskamp, PKW, Pia Kleine Wieskamp und anderen erw√§hnt. Pia Kleine Wieskamp sagte: RT @AddisonWesley: #AW-Blog – Social Media-Expertenrunde: @HeikoDitges im Gespr√§ch… http://ow.ly/16SVEv [...]
Am 27. März 2010 um 11:36 Uhr
Sehr informatives Interview. Hat mich gefreut es zu lesen, danke.
Am 29. März 2010 um 13:01 Uhr
Danke, welche weiteren Social Media-Experten würdest du denn als Interviewpartner vorschlagen?
Pia
Am 10. April 2010 um 09:21 Uhr
Frag doch mal im Forum Abakus nach. Da findet man einige Experten zu dem Thema hier. Da wäre es mal Interessant was drüber zu lesen.
Am 12. April 2010 um 11:03 Uhr
Forum Abakus: Welchen Experten (Name) soll ich denn interviewen?
Am 21. April 2010 um 08:07 Uhr
Sehr gutes Interview, danke. Im Forum Abakus würde ich diese Frage mal stellen, wer den Interesse an einem Interview hat.
Am 21. April 2010 um 15:29 Uhr
Thorben, hast du eine genauere Adresse – Webite vpm Forum Abakus bzw. einen Kontakt.
Pia
Am 22. April 2010 um 10:18 Uhr
Hallo,
ja hier die Addy http://www.abakus-internet-marketing.de/foren/
Eventuell ist weby für dich interessant für ein Interview
Am 5. Mai 2010 um 12:20 Uhr
Ich schick dir mal ein paar Kontakte wo du vielleicht ein Interview machen könntest. Vielleicht findest du da was interessantes bei an Kontakten.
Am 5. Mai 2010 um 12:26 Uhr
Ok, Ideen und Kontakt sind immer gut.