Social Media-Expertenrunde: Michaela von Aichberger @frauenfuss
geschrieben am 22. März 2010 von Pia Kleine Wieskamp
In dieser Interviewreihe “Social Media-Expertenrunde” spreche ich mit Social Media-Praktikern sowie -Influencern über ihre Erfahrungen, Praxistipps, Meinungen und Visionen. Nach Meike Leopold, Thomas Pfeiffer und Leander Wattig wird die Social Media-Expertenrunde mit Michaela von Aichberger fortgesetzt:
@Frauenfuss – Michaela von Aichberger kurz vorgestellt:
Michaela hat in Erlangen Informatik und in Nürnberg Grafik-Design studiert.
Im 3. Semester ihres Informatikstudiums – also bereits 1989 – hat sie zusammen mit einem Kommilitonen und besten Freund eine Multimedia-Agentur gegründet. Seit über 20 Jahren ist Michaela begeisterte Surferin, Chatterin und Gestalterin.
AW: Was verstehen Sie unter dem Oberbegriff „Social Media“?
Michaela: Social Media ist einfach das ganz normale alltägliche Miteinander, das durch das Netz auf einen anderen Level gehoben wurde. Vernetzten, Finden, Austausch – das alles geht heutzutage viel rasanter und zielgerichteter.
AW: Michaela, man bezeichnet Sie als Social-Media-Expertin – würden Sie sich selbst auch so bezeichnen?
Michaela: Experten haben eine Botschaft und wollen etwas vermitteln, ich nutze das Social Web aber mehr, weil es mir Spaß macht.
AW: Viele Leute haben ein Aha-Erlebnis im Social Web – gab es das bei Ihnen auch?
Michaela: Gemeinsam mit anderen kreativ sein zu können begeistert mich am allermeisten.
AW: Sie haben unter dem Account @frauenfuss ein besonderes Projekt „ich male meine Follower“ auf Twitter gestartet?
Michaela: Die ganze Aktion ist aus einem Spaß heraus entstanden. Ich bin begeisterte Notizbuchzeichnerin. Egal ob auf Reisen oder wenn ich in Cafés sitze: ich male das was ich sehe in mein Notizbuch. Diese Notizbuchzeichnungen habe ich bei Twitter gezeigt und man mochte sie. Ich habe sehr früh begonnen, kleine Rätsel aus den Zeichnungen zu machen. Zeigte eine Skizze von Dubrovnik und stellte die Frage „Welche Stadt ist hier abgebildet?“. Dadurch entstand eine schöne Kommunikation, die mir Spaß gemacht hat. Ich konnte zeigen, dass ich zeichnen kann, kreativ bin, gleichzeitig regte ich Menschen dazu an, mit mir zu kommunizieren. Dinge, von denen Social Media lebt und Dinge, die ich brauche, um für mich Spaß zu haben. Ein Monolog macht mir keinen Spaß. Ich lebe von der Kommunikation.

Als ich irgendwann sagte: „Ich male meine Follower“ wurde das ganze noch kommunikativer: tagtäglich bekomme ich DMs, Mails oder witzige Replys in denen mir Menschen über sich erzählen, versuchen mir kreativen Input für ein potentielles Kunstwerk zu geben. Ich höre dabei, wer in wen unglücklich verliebt ist und andere wirklich bewegende Geschichten. Gleichzeitig kann ich charmante, kreative und witzige Persönlichkeiten auf liebevolle Art und Weise ins Rampenlicht rücken und nicht zu vergessen: ich zeige, dass ich selbst kreativ bin und mein Grafik-Designer-Handwerk verstehe.
AW: Was ist Ihr Ziel beim Einsatz von Social Media und wie hat es Ihr Leben und Ihren Job beeinflusst?
Michaela: Ich hab viele neue Kontakte zu Künstlern, Musikern, Verlagen und überhaupt zu äußerst interessanten Menschen geschmiedet. Gleichzeitig kommt es zu wunderbarem Ideenaustausch und Kreativitätsschüben. Allerdings unterliege ich auch stark dem Suchtpotential dieser Medien und muss immer aufpassen, dass mein Job nicht unter meinen Social-Media-Aktivitäten leidet.
AW: Was sind denn Ihre wichtigsten Erfolgsfaktoren im Social Web?
Michaela: Ich glaube, dass ich die Leute gut begeistern kann. Und das funktioniert aber auch nur, weil ich selber unheimlich viel Spaß an Kommunikation habe. Wichtig ist auch, sich wirklich für andere zu interessieren und aufgeschlossen zu sein. Und natürlich Authentizität. Wer sich als etwas ausgibt, was er nicht ist, verliert schnell an Glaubwürdigkeit.
AW: Treffen Sie Ihre Social Media Kontakte auch im realen Leben?
Michaela: Ja! Unbedingt! Gerade meine Aktion bewirkte, dass sich Menschen ins Real Life trauten, die sonst nie im Leben Internetbekanntschaften getroffen hätten. Aber der Rahmen der Kunstprojekts lockte die verschiedensten Menschen jeder Altersstufe raus ins echte Leben. Eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
AW: Welche Tipps geben Sie Kreativen (Künstlern) im Umgang mit Social Media?
Michaela: Mach, was dir selbst Spaß macht. Langweile dich nicht. Bleibe fleißig. Sei experimentierfreudig.
AW: Wo sehen Sie den Unterschied zwischen Social Media im Unternehmenseinsatz, privaten Gebrauch und künstlerischen Einsatz?
Michaela: Für mich gibt es da keinen Unterschied. Es ist ja alles miteinander vernetzt.
AW: Zukunftsmusik: Wohin entwickelt sich Ihrer Meinung nach das Internet?
Michaela: Es wird keinen Unterschied mehr geben, über welchen Medienkanal man unterhält oder sich unterhalten lässt – die Grenzen zwischen Fernsehen, Zeitungen, Internet werden immer mehr verschwimmen.
AW: Michaela, haben Sie schon neue Projekte in Arbeit?
Michaela: Natürlich! Ich arbeite mit Stefan Graunke und Daniela Warndorf, die ich über Twitter kennengelernt haben, bereits an einem neuen Projekt, dem Webcomic „Die Mediensozialisten“. Hier geht es um vier junge Berliner und das Leben in Zeiten von Social Media – und dazu haben wir schon so einiges in Vorbereitung.
Gleichzeitig startet auch mein neues Projekt „Ich male die Welt“. Hier kann man mich beauftragen, eine bestimmte Gasse, Straße oder ein Gebäude in Paris, London, Brügge oder Wiesbaden zu zeichnen!
Aber keine Bange: Auch „Ich male meine Follower“ wird noch lange weiter gehen!
AW: Danke für das Interview!
Links zu Michaela von Aichberger und ihren Projekten:
- Twitter-Projekt: http://www.ich-male-meine-Follower.de
- Webseite: http://www.michaela-von-aichberger.de / Firma: http://www.2byte.de/
- Neues Social-Media-Projekt: http://www.mediensozialisten.de/

Am 22. März 2010 um 16:21 Uhr
Die wunderbare Michaela von Aichberger heisst aber nicht “Aichenberger”….
Am 22. März 2010 um 16:38 Uhr
Stimmt, habe ich geändert.
Pia