pia Doc Baumann kennt Photoshop seit dessen Geburt

geschrieben am 19. Februar 2010 von Pia Kleine Wieskamp

Der deutsche Photoshop-Papst Doc Baumann kennt das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop von Adobe seit dessen Geburt.

Foto: Christian Popkes

Wir fragten Doc, wie er Photoshop vor 20 Jahres entdeckte und was er sich zukünftig von der Software wünscht:

AW: Doc, was bedeuten Adobe und digitale Bildbearbeitung mit Photoshop für Sie?
Doc: Das fragen Sie ausgerechnet den Herausgeber von DOCMA und angeblichen Photoshop-Papst? Was sollte ich denn sonst machen, wenn es Photoshop nicht mehr gäbe? (Dann könnte ich mich endlich in Ruhe meinem Roman widmen, aber auch in dem spielt das Programm eine sehr wichtige Rolle …).

AW: Doc, wissen Sie noch, wann Sie den ersten Photoshop-Kontakt hatten?
Doc: Sehr genau – ich hatte schon ein paar Jahre für verschiedene Zeitschriften über digitale Bildbearbeitung und Typographie geschrieben, als die mich betreuende Redakteurin 1990 eines Tages anrief und fragte: Es gibt da ein neues Bildbearbeitungsprogramm. Hast Du Lust, es zu testen? Ich fragte: Wie heißt es denn? Und sie antwortete: Photoshop. Worauf ich entgegnete: Ziemlich dämlicher Name; wird wohl irgend so ein Billigzeug sein. Aber schick’s ruhig rüber, ich schaue es mir mal an. Bei dieser Bezeichnung stellte ich mir einen dezent runtergekommenen Fotoladen an der Ecke vor mit einem etwas schmierigen Besitzer und übersättigten Urlaubsfotos auf dem Tresen. Jedenfalls klang es nicht sonderlich professionell. Und zunächst gab es auch keine erheblichen Vorzüge gegenüber dem bis dahin wichtigsten Programm namens ColorStudio.

AW: Und welche Version war Ihre ERSTE?
Doc: Die allererste Version.

AW: Und erinnern Sie sich an Ihren Einstieg?
Doc: Ja, das war kein Problem. Aber ich hatte ja auch schon seit 1984 mir alles – jedenfalls auf dem Mac – angeschaut: Von MacPaint über Digital Darkroom und ImageStudio und dem erwähnten ColorStudio.

AW: Haben Sie Photoshop auch gleich praktisch umgesetzt?
Doc: Ich fand es nicht schlecht, habe aber für eigene Projekte zunächst mit ColorStudio weitergearbeitet, weil ich damit besser vertraut war. Aber als die Photoshop-Folgeversionen immer mehr interessante Funktionen boten, war dann bald klar, wo meine Präferenzen lagen.

AW: Doc, was war Ihr erstes Projekt?
Doc: Meine ersten Projekte waren schlichte Vorstellungen des Programms. Schließlich habe ich damals noch viele meiner Illustrationen mit Stift, Pinsel und Farbtuben gemacht. Ein paar der ersten (wohl so um 1993/94 rum) sehen Sie nun:

mein-erstes-bild-mit-ebenen.jpg 
Mein erstes Bild mit Ebenen.

kuhtze.jpg

Kuhtze

glatze.jpg

Glatze

AW: Doc, Photoshop ist nun nach 20  Jahren erwachsen. Haben Sie Erfahrungen bzw. Erlebnisse mit so genannten Kinderkrankheiten gemacht?
Doc: Anfang der 90er dachte ich irgendwann, wozu braucht man noch Repro-Firmen, das kann man mit eingescannten Dias auch selbst. Das erste gedruckte Bild, das ich auf diese Weise veröffentlichte, war so flau und grünstichtig, dass der Repro-Mann befriedigt feststellte: Das geht so wohl nicht – Sie werden uns wohl noch weiter brauchen! Lag aber sicherlich auch am nichtkalibrierten Monitor.

AW: Was mochten Sie gar nicht?
Doc: Dass etliche frühe Werkzeuge nie weiterentwickelt worden sind, dass es etwa für viele Filter noch immer nur winzige und schlechte Vorschaufenster gibt, dass ein simpler Filter wie “Verbiegen” nur horizontal arbeiten kann und noch immer nicht vertikal, und dass nach wie vor nur ein Teil der im Ordner liegenden Plug-ins auch angezeigt wird – ja, ich weiß, daran sind immer die jeweils anderen Schild, abhängig davon, wen man fragt. 

AW: Doc, wie sieht Ihrer Meinung nach Photoshop in 3 Jahren aus?
Doc: Hmm … ich denke, dass etwa 3D-Funktionen zunehmend wichtiger werden, die Unterstützung von CGI. Und mit allen andere Anwendern hoffe ich darauf, dass es irgendwann einmal ein wirklich gutes, schnelles und zuverlässiges Freistellungswerkzeug geben wird, das genügend künstliche Intelligenz mitbringt, um auch komplexe Objekte zu erkennen und zu isolieren.

AW: Und was wünschen Sie sich?
Doc: Neben dem, was ich zuvor schon angemerkt hatte, würde ich mir ein Verzerrungswerkzeug wünschen, bei dem ich die geplanten Konturen und ein paar Punkte definieren kann und Photoshop eine Auswahl automatisch anpasst, ähnlich, wie es in Illustrator ja schon geht. Zudem gab es eine Menge hilfreicher Plug-ins, die längst nicht mehr am Markt sind, mit einfachen, aber in der Praxis wichtigen Funktionen. So beherrschte ColorStudio schon 1989 die steuerbare Projektion einer Auswahl auf eine beleuchtete Kugeloberfläche; KPT zum Beispiel die Füllung einer endlosen Ebene mit perspektivisch angepassten und gut steuerbaren Auswahlinhalten oder die gesteuerte Streuung von Bildelementen. (Kai Krause hat mir mal vor vielen Jahren Funktionen seines geplanten Programms Emerson vorgeführt, davon ist Photoshop heute noch weit entfernt.)

AW: Bitte nennen Sie Ihren aktuellen favorisierten Photoshop-Tipp!
Doc: Mein wichtigstes Werkzeug bei Montagen: Ebenenstil > Farbbereich, das ersetzt die Hälfte aller Freistellungstricks und ist zudem sehr flexibel.

Doc Baumann kurz vorgestellt:
Doc Baumann ist Journalist, Autor, Foto-Grafiker und Kunstwissenschaftler. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit digitaler Bildbearbeitung und gehört in Deutschland zu den Pionieren dieser Technik; seit 1987 schreibt er für Computer- und Fotozeitschriften und hat zahlreiche Bücher verfasst.

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