Christoph Künne: Happy Birthday Photoshop! (4)
geschrieben am 19. Februar 2008 von Pia Kleine Wieskamp
Nun – zum 18. Geburtstag von Photoshop – unterhalten wir uns mit Photoshop-Autoren, Nutzern und Trainern über ihre Photoshop-Geschichte:
Gespräch mit Christoph Künne, der 2001 gemeinsam mit dem bekannten Photoshop-Experten Doc Baumann das Magazin DOCMA, die erste Fachzeitschrift für Foto-Grafiker, gründete. Analog dazu betreibt er die Webseite docma.info.
AW: Hallo Herr Künne, wissen Sie noch, wann Sie den ersten Photoshop-Kontakt hatten?
Künne: Ja, während meines Studiums, ca. 1991 – Version 2.0.
AW: Und erinnern Sie sich an Ihren Einstieg? Wie war dieser?
Künne: Der Einstieg war schrecklich kompliziert und langwierig, weil ich mit den komischen Fachbegriffen kaum etwas anzufangen wusste. Dank meiner Fotolaborerfahrung haben mich die Möglichkeiten jedoch bald in ihren Bann gezogen.
AW: Welche Lern-Hilfsmittel haben Sie genutzt?
Künne: Trail & Error, bis ich auf ein Buch von Doc Baumann stieß, der damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Hans D. Baumann veröffentlichte.
Die Edition DOCMA: Photoshop-Basiswissen im Detail erklärt.
AW: Herr Künne, gab es Pannen bzw. lustige Anekdoten?
Künne: Unzählige, am schlimmsten aber war der Tag als ich erkannte, dass sich die vielen mühsam gescannten und bearbeiteten Fotos, die ich so hübsch schlank als JPGs auf eine Diskette gespeichert hatte, sich wohl nie wieder in den Ausgangszustand zurückversetzten lassen würden.
AW: Wann und wie haben Sie von Photoshop erfahren?
Künne: In einem Seminar, das sich “Datenverarbeitungspraktikum” nannte, und Geisteswissenschaftler wie mich in die Lage versetzen sollte, u.a. Druckmedien mit Text und Bild selbst zu produzieren. Nach heutigem Ermessen waren die Uni-Leute bei uns damals nicht nur wahnsinnig fortschrittlich uns solche Dinge abzuverlangen, die in der Wirtschaft noch kaum jemand durchblickte, sondern auch elitär, denn in dem Rechenzentrum gab es fast nur Macs.
AW: Warum gerade Photoshop – gab es keine Alternativen?
Künne: Zu der Zeit gab es noch Alternativen, aber an die war wegen meines schmalen Budgets schwer heranzukommen. In den Folgejahren bis zum Ende der Neunziger habe ich allerdings mit so ziemlich allem experimentiert, womit man Pixel schubsen konnte, und auch viele Workshops für Programme geschrieben, an die sich heute kaum noch jemand erinnert.
AW: Herr Künne, haben Sie das auch gleich praktisch umgesetzt?
Künne: Meine praktische Umsetzung des mühsam angeeigneten Photoshopwissens bestand darin, dass ich noch während des Studiums erst Lehrbeauftragter an einer Grafikakademie wurde und später Schulungsleiter eines Handelshauses für grafischen Bedarf. Erst danach kam ich zur schreibenden Zunft, auch wenn das Thema das gleiche blieb.
AW: Gab es Pannen bzw. lustige Anekdoten?
Künne: Meine erste Photoshop-Schulung, bei der ich einer ganzen Horde Lithografen des Axel Springer Verlages die Vorzüge und die Arbeitstechniken von Photoshop nahe bringen sollte. Nach der Begrüßung zu dieser “Photoshop-Einsteiger-Schulung” stellte sich aber heraus, dass die Herren den Fortgeschrittenen-Kurs gebucht hatten, weil sie schon lange mit Photoshop arbeiteten. Irgendeine Dame in der Verwaltung hatte wohl die Termine durcheinander gebracht. Um die Leute nicht wieder nach Hause zu schicken, bleib mir nichts anderes übrig, als ihnen reinen Wein einzuschenken. Wir haben anschließend eine für beide Seiten sehr lehrreiche Woche miteinander verbracht.
AW: Photoshop ist nun nach 18 Jahren volljährig. Haben Sie Erfahrungen/Erlebnisse mit so genannten Kinderkrankheiten gemacht?
Künne: Nicht wirklich, denn ich war nach Jahren der Konditionierung meines digitalen Erlebnishorizonts mit Microsoft-Office und später auch Windows-Produkten Kummer gewöhnt. Aber im Ernst: Photoshop hat aus meiner Sicht immer relativ wenig Probleme gemacht, die man nicht einfach umgehen konnte.
AW: Ihre schlimmsten Erlebnisse?
Künne: Das einzige schlimme Erlebnis, an das ich mich erinnere, hatte mit der damals verbreiteten Mode zu tun, dass Splashup-Screens, also die Begrüßungsbildschirme von Programmen, auch immer die vollständige Seriennummer des Produkts zeigten. Einen solchen Screenshot hatte ich versehentlich zur Illustration eines Artikels bei einer Redaktion eingereicht, ohne ihn vorher zu retuschieren. Gemerkt habe ich den Fauxpas an einem Freitag nach der Druckabgabe des Heftes, als niemand mehr erreichbar war. Nach einem unruhigen Wochenende, das ich damit verbrachte auszurechnen, wie groß die Schadenseratzforderungen wohl ausfallen würden, teilte man mir aber mit, man hätte sich ohne Rücksprache mit mir für ein anderes Aufmacherbild entschieden.
AW: Was mochten Sie gar nicht?
Künne: Dass fast jede neue Photoshopversion mit der Anschaffung eines neuen Rechners einherging.
AW: Haben sie regelmäßig aktualisiert (zur nächsten Version “upgedatet”)?
Künne: Ja, natürlich. Es war nicht nur der Forscherdrang oder der unbändige Wille, neue Erkenntnisse zu sammeln, die mich regelmäßig dazu brachten, neue Photoshop-Versionen durchzutesten und meine Hardware für die gestiegenen Anforderungen nachzurüsten. Jede neue Version brachte neue Features, deren Nutzen nicht sofort klar auf der Hand lag. So gab es immer neue Themen, über die ich so in meinen Seminaren reden und die ich in Artikeln und Büchern am praktischen Beispiel erläutern konnte. Das half ein wenig dabei die Kosten auszugleichen.
AW: Wie sieht Ihrer Meinung nach Photoshop zur Großjährigkeit – also in 3 Jahren aus?
Künne: Das Programm wird wahrscheinlich nicht einfacher zu bedienen sein, eher im Gegenteil. Durch die Einbindung von 3D und Video in der Extended-Version von CS3 haben die Entwickler zwei Türen in bisher mehr oder minder verschlossene Arbeitswelten aufgestoßen. Da wird sich in Zukunft eine Menge tun, auch wenn das sicher nicht für alle Photoshop-Anwender interessant wird.
AW: Und was wünschen Sie sich für neue Versionen? Wie sieht es in 10 Jahren aus?
Künne: Das, was wahrscheinlich jeder Fotograf will: Schneller zu besseren Ergebnissen zu kommen, damit mehr Zeit zum Fotografieren bleibt.
In zehn Jahren möchte ich mit Photoshop direkt reden können und den Rest, den man nicht versprachlichen kann, über einen riesigen berührungsempfindlichen Monitor mit Gesten und allen zehn Fingern eingeben. Ich befürchte aber, bis dahin könnten auch noch zwanzig Jahre ins Land gehen.
AW: Bitte nennen Sie Ihren aktuellen favorisierten Photoshop-Tipp!
Künne: Das ist der Effekt “Leica für Arme”, bei dem man ein die Kontraste eines Foto (ab etwa 6 Megapixel Größe) mit der “Unscharfmaskierung” verstärkt.
Man braucht dort einfach nur die Werte “30/45/0″ einzutragen und auf den OK-Button zu klicken.
Christoph Künne kurz vorgestellt:
Der studierte Kulturwissenschaftler setzte sich schon in den frühen neunziger Jahren mit allen Aspekten der damals noch jungen DTP-Technologie und ihrem praktischen Einsatz auseinander.
Nach fünf Berufsjahren als Fachschuldozent, Industrie-Trainer, Schulungsleiter und Berater in der Druckvorstufe wechselte er 1997 zur schreibenden Zunft. Neben Büchern zum Thema digitale Bildbearbeitung veröffentlicht er seither als freier Technikjournalist regelmäßig Beiträge in Fachmagazinen wie c’t, Computerfoto, Photographie oder Chip Foto/Video.
Im Jahr 2001 gründete er gemeinsam mit dem bekannten Photoshop-Experten Doc Baumann das Magazin DOCMA, die erste Fachzeitschrift für Foto-Grafiker. Analog dazu betreibt er die Webseite docma.info.

