Bilder werten in Lightroom – oder DSDSB*)

geschrieben am 7. Februar 2008 von unserem Experten Mike Schelhorn

Mit der Digitalfotografie kann darauflos geknipst werden, ohne auf Kosten zu achten. Allein die Speicherkarte setzt eine Grenze. Bei heutigen Speicherkartenkapazitäten ist da selbst bei Raw-Aufnahmen ein Vielfaches dessen in Bits und Bytes gebannt, was an Aufnahmen auf einen guten alten Film passen. Offensichtliche Fehlaufnahmen können Sie gleich in der Kamera wieder löschen, den Rest begutachten Sie besser erst mal daheim am Monitor.

Schön, Sie können nun ein Motiv aus 42 verschiedenen Blickwinkeln fotografieren, aber wie fischen Sie am Rechner die von den Profis als „Keepers“ bezeichneten besten Aufnahmen aus der Bilderflut?

Bewertungssysteme in Lightroom
Lightroom hat dafür verschiedene Bewertungssysteme: Sie können Sternchen verleihen (mit den Tasten 1 bis 5), die Bilder farbbeschriften (mit den Tasten 6 bis 9) oder die einzelnen Bilder markieren (mit Taste P als „markiert“, Taste X als „abgelehnt“ oder Taste U, um eine Markierung wieder aufzuheben). Gewöhnlich setzt man sich nun vor den Monitor, schaut jede Aufnahme in Einzelbilddarstellung an und steht pro Fotosession zweihundert (Ihre eigene Zahl hier einsetzen) Mal vor der Entscheidung, ob dieses eine Bild grottenschlecht, schlecht, vielleicht verwendbar, na ja, annehmbar, gut, recht gut, vorzeigbar, galerietauglich oder vielleicht auch genial ist – und welche Wertung jetzt denn vergeben werden soll. (Nur so am Rande: Die Fotografenlegende Ansel Adams meinte einmal, dass zwölf gute Bilder pro Jahr eine recht gute Ernte seien.) Bei seinen eigenen Aufnahmen ist man natürlich weniger entscheidungsfreudig, was die Sache schwierig und zeitraubend macht.

Psychologisch besser: Negativauswahl
In Anlehnung an die Endausscheidung der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (mit der ich sonst eigentlich nicht viel anfangen kann) möchte ich ein anderes Verfahren vorschlagen: Treffen Sie eine Negativauswahl. Sie klicken auf die Aufnahmen, die Ihnen weniger gefallen, so wie beim Herauswählen von Kandidaten (und das kostet Sie nicht einmal einen gebührenpflichtigen Anruf). Glauben Sie mir, es fällt Ihnen so leichter, und auf diese Weise filtern Sie schneller Ihre besseren Aufnahmen heraus.

Und so geht es in Lightroom: Nach dem Import wählen Sie im Bibliothek-Modul mit Strg-A (PC) / Befehl-A (Mac) alle Aufnahmen des Imports aus und drücken die Taste N für die Überprüfungsansicht. Im Inhaltsbereich erscheinen nun alle Bilder – je mehr, umso kleiner. Klicken Sie bei gedrückter Strg-Taste (PC) / Befehl-Taste (Mac) auf die Vorschaubilder, die Ihnen nicht zusagen. Sie verschwinden damit aus der Auswahl. Die restlichen Bilder in der Überprüfungsansicht werden dabei zunehmend größer dargestellt. Gut, denn mit fortschreitender Negativauswahl wird eine größere Ansicht immer wichtiger. Sollten Sie bei einer kleinen Bilddarstellung unschlüssig sein, bringen Sie das aktive Bild (das mit dem weißen Rahmen) mit der Taste E in die Lupenansicht. Die Bildauswahl bleibt dabei erhalten und mit Taste N kehren Sie zu ihr zurück. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, für alle noch verbliebenen Bilder ein Sternchen (oder eine Farbbeschriftung oder Markierung) zu verleihen, um sie als die besseren zu markieren. Wechseln Sie dafür mit der Taste G in die Rasteransicht, um anschließend mit der Taste 1 allen noch ausgewählten Bildern das erste Sternchen zu verleihen. Später können Sie die nach einem Stern gefilterten Bilder nach obigen Muster noch genauer inspizieren und in dieser zweiten Ausscheidungsrunde den verbliebenen Kandidaten ein weiteres Sternchen verleihen.

Ein Tipp zum Abschluss: Seien Sie mit höheren Sterne-Wertungen eher geizig. Fünf Sterne verdienen, frei nach Ansel Adams, vielleicht ein Dutzend Bilder pro Jahr.

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*) DSDSB: Wer dieses Kürzel auflöst, darf sich seine Aufnahmen von Dieter B. kommentieren lassen 8-)

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