Das weibliche Auge: Interview mit Almut Adler
geschrieben am 13. Dezember 2007 von Pia Kleine Wieskamp
“Das weibliche Auge“: Wie Frauen fotografieren
Almut Adlers neuer Foto-Ratgeber zeigt, wie Frauen fotografieren oder was Männer in Punkto Intuition und Fotoblick von Frauen lernen können.
Die Fotografin und Autorin Almut Adler, kann sich ein Leben ohne Bilder nicht mehr vorstellen und erzählt in Ihrem Interview, warum und worin Ihr Buch sich von herkömmlichen Fotolehrbüchern unterscheidet:
Gespräch mit Almut Adler
AW: Frau Adler, wie entstand die Idee ein Fotolehrbuch für Frauen zu gestalten?
Adler: Zur Vorbereitung meiner Fotokurse habe ich diverse Fotobücher gelesen. Nachdem ich mich bewusst mit den Inhalten auseinander gesetzt habe, stellte ich fest, dass mir selbst als Profi einiges unklar oder verwirrend erschien. Vor allem aber wurde mir vieles zu technisch erklärt. Nach und nach fasste ich die Sachinhalte mit meinen Worten zusammen und ersetzte die Fotos durch meine Bilder. So entstand die theoretische Basis und das Grobgerüst für meine Fotokurse. Schließlich wuchs daraus eine Idee und formte sich zum eigenen Buch.
AW: Wie definieren Sie den Begriff „weibliches Auge“?
Adler: Über das weibliche Sehen. Frauen sehen nicht etwa anders als Männer, sondern sie sehen nur etwas anderes. Somit fotografieren Frauen auch anders. Formgefühl und Farbe beherrschen ihre Fotos in den meisten Fällen mehr als die Bildaussage.
AW: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile vom „weiblichen Auge“?
Adler: Es gibt weder Vor- noch Nachteile. Das weibliche Auge ist einfach der weibliche Blick und das der anders ist, das ist nichts Neues.
AW: Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen ihrem Buch und bisherigen Fotobüchern?
Adler:
• Anfängerinnen zu motivieren und Schwellenängste abzubauen;
• visuelle Falsch-Richtig-Bilder;
• die persönliche Ansprache sowie Auswahl der praktischen Schritt-für-Schritt-Beispiele;
• klare grafische Darstellungen;
• flüssiger Schreibstil mit Wortwitz;
• Faustregel-Kästen, leicht zu merken und nicht verwirrend;
• praktische Übungsseiten wie Fotoquiz oder Winkelschablonen zum Ausschneiden;
• die Vermittlung der Intuition („aus dem Bauch heraus“) zum „weiblichen Blick“.
AW: Ist Ihr Buch ein Lila-Latzhosen-Buch? Bezeichnen Sie sich als emanzipierte Fotografin?
Adler: Diese Frage habe ich erwartet. So individuell wie die Menschen sind, so wünsche ich mir auch meine Leser. Ob nun Röcke, Businesskostüm, Jeans oder Latzhose, letztendlich sollte die Leidenschaft und das Interesse für Fotografie das Verbindende sein. Ich bin vor allem eine emanzipierte Frau. Emanzipiert im Sinne von selbständig und unabhängig.
AW: Wie kamen Sie zur Fotografie?
Adler: Durch Männer!
Meine beiden Brüder infizierten mich schon in jungen Jahren mit der Fotografie, weil sie selbst fotobesessen waren. Besonders mein älterer Bruder machte wunderschöne Bilder, er verstand es, in mir das Adlerauge zu wecken. Auf meinen Reisen rund um die Welt war ich natürlich nie ohne Kamera unterwegs und konnte immer mein Auge schulen. Dieses Jahr war ich mit dem inneren Auge auf Reisen. Ich ging den 800 km langen Jakobsweg durch Spanien ohne Kamera. Das war nicht nur ein spiritueller, sondern paradoxerweise ein sehr visueller Weg für mich! Lange Jahre arbeitete ich als Grafikdesignerin, aber mich zog es zu meiner Berufung zurück.
AW: Sie haben eine Website, die Fototrulla heißt. Was bedeutet der Name für Sie, wie kamen Sie auf diesen Namen?
Adler:
Bei dieser Frage muss ich immer lachen, weil der Name bei einem fröhlichen “brainstorming” mit Freundinnen im Biergarten entstand. Ich wollte einen lustigen Begriff finden, mich aus der Masse heraus heben und einen Namen, der sich gut einprägt und gleichzeitig etwas mit Fotografie aussagt – und mit Frauen.
Das Wort Trulla sehe ich in diesem Zusammenhang keineswegs als diskriminierend sondern verknüpfe damit eine gewisse Leichtigkeit. Foto Adler wäre doch langweilig gewesen, das klingt wie ein Fotoladen. Adlerblick hätte ich auch gut gefunden, war aber leider schon belegt.
AW: Frau Adler, Sie halten Fotokurse nur für Frauen ab; unterscheiden sich diese von anderen Kursen?
Adler: Auf jeden Fall, das bekomme ich zumindest oft von meinen Kursteilnehmerinnen zu hören, die zuvor andere Kurse besucht hatten. Ich spüre auch eine Unbefangenheit untereinander. Keine kommt sich blöde vor, technische Fragen zu stellen und ein zweites und drittes Mal nachzufragen.
Zu Fotokursen speziell für Frauen kam ich eigentlich eher gezwungener Maßen. Als ich die erste Anzeige aufgab, habe ich noch gemischte Kurse angeboten. Nach dem xten anzüglichen, beinahe obszönen Anruf gab ich genervt auf und beschloss, nur noch Fotokurse für Frauen anzubieten. Traurig aber wahr.
AW: Was unterscheidet Ihre Workshops in Spanien zu den Grundkursen in München?
Adler: Da die Theorie bei den meisten schon “sitzt”, konzentriert sich der Workshop voll auf die Praxis. Wir sind viel unterwegs und fotografieren Landschaften, Stillifes, Menschen, Action, Nachtaufnahmen – die ganze Palette. Experimente und viel Spaß stehen hier im Vordergrund, sodass diese Workshops auch als Urlaub zu sehen sind, nicht nur für mich als Kursleiterin. Zum Abschluss eines jeden Workshops ist von allen Teilnehmerinnen eine gemeinsame “Bilderschlacht” per Beamer zu sehen. Das löst einen riesigen Aha-Effekt aus und trägt zum Erfolg künftiger Fotos bei.

Buchinfo: Das weibliche Auge, ISBN: 978-3-8273-2632-4, 288 Seiten,
komplett 4-farbig, € 29,95 [D]

Am 13. Dezember 2007 um 15:18 Uhr
[...] http://blog.addison-wesley.de/archives/619 // // gh am 13. Dezember 2007 News, Bücher [...]
Am 17. Dezember 2007 um 10:43 Uhr
Übrigens: Frau Adler leitet in München jeden 1. und 2. Sonntag im Monat einen Foto-Grundkurs! Weitere Info auf http://www.fototrulla.de.