Das weibliche Auge: Interview mit Almut Adler
geschrieben am 26. August 2009 von Pia Kleine Wieskamp
AW: Frau Adler, was ist neu an dieser aktuellen Auflage Ihres Buches „Das weibliche Auge“?
Adler: Neu ist immer noch, dass in dem Meer von Fotobüchern kein einziges Fotobuch speziell für Frauen existiert – bis auf “Das weibliche Auge”. Neu ist die Tatsache, dass der Anteil fotobegeisterter Frauen enorm zunimmt. Ich habe gelesen, dass es 20 % mehr sind, als es noch im letzten Jahr waren. Diesen positiven Trend begrüßte auch der Verlag:-)
Und neu sind einige Kapitel wie Winterfotografie, Checkliste zur Fototour, Grafiken und Aktualisierungen. Neu ist natürlich auch das äußere Erscheinungsbild. Das Buch wirkt mit der neuen Reihen-CI, dem Hardcover und der gebundenen Ausgabe absolut edel. Man hält ein “richtiges” Buch in den Händen!
AW: Sie haben das Buch um die Buchkapitel ‚Checkliste zur Fototour’ & ‚Fotografieren im Winter’ erweitert. Warum sind Ihnen diese Themen so wichtig?
Adler: Eine Checkliste ist für alles Mögliche dienlich, also ist sie auch für Fototouren wichtig. Nichts ist ärgerlicher, als hilfreiche Utensilien vergessen zu haben. Und wenn man sich etwas aufschreibt, so bleibt es bekanntlich hängen. Wichtig ist vor allem, die Checkliste nicht nur zu lesen, sondern sie auch aufzuschreiben. Für die nächste Tour hat man dann schon alles im Kopf.
AW: Für wen ist das Buch geschrieben (Zielgruppe)?
Adler: Nach wie vor hauptsächlich für Frauen – es gibt aber auch viele Männer, denen meine unkomplizierte Erklärungsschreibe willkommen ist. Fanpost diesbezüglich bekomme ich witzigerweise nur von Männern! Der Untertitel “ein Fotokurs für Frauen … auch für Männer mit Intuition” haben wir bei der aktuellen Ausgabe weggelassen, um eben Männern, die technisch ähnlich “ticken” wie Frauen, den Einstieg in die Fotografie zu erleichtern. Sie müssen sich nun nicht mehr schämen, “nur” ein Frauenbuch zu lesen
AW: Frau Adler, Sie geben regelmäßig Fotokurse. Fließen viele Erfahrungen aus Ihren Foto-Workshops mit ein?
Adler: Sicher, meine Kurse und Workshops geben mir Aufschluss darüber, wo jeder Einzelne Probleme hat, wo es hakt. Gewisse Fehler tauchen bei fast allen auf und das anfängliche Zahlenwirrwar von Brennweite, Blende, Belichtungszeit und 1:1 Formel verunsichert ausnahmslos jeden. Da sich viele Fragen wiederholen, schöpfe ich aus der Unwissenheit und mache sie zu meinem Erfahrungsschatz.
AW: Inwieweit beeinflusst aktuelles Zeitgeschehen – z.B. Wahlkampf – bzw. Zeitgeschmack – Retrostyle der 70iger – Ihre Fotos?
Adler: Meine Fotos beeinflusst das in keiner Weise – jedenfalls nicht bewusst. Ich war noch nie eine “Zeitgefügige”, die irgendwelche Richtungen verfolgte. Ich will immer nur gute, ehrliche Bilder machen. Ich denke mir, dass viele Leute die Fotografie heute als 2. Standbein ausbauen möchten.
Wahlkampf und meine Fotos? Gott sei Dank habe ich die Wahl, Kampf ist nicht mein Ding!
Zeitgeschmack beeinflusst natürlich meine Kursteilnehmerinnen. Beispielsweise lieben junge Kursteilnehmerinnen den Retrostyle – sie finden die Schwarzweiss-Fotografie “geil” und der Trend geht teilweise wieder zum unperfekten Stil der analogen Fotografie. Zumindest verbal – digital ist letztendlich dann doch alles schneller und unkomplizierter. Das belegen Bildprogramme, in denen “geschleckte” Fotos mit ein paar Mausklicks Unschärfe und Körnung verliehen wird. Ich schwärme immer noch von der analogen Schwarzweißfotografie, aber ich liebe die Fotografie auch so, wie sie heute ist.
AW: Sie schreiben gerade an einem neuen Buch, das Ende Oktober erscheint. Was fesselt Sie an der Thematik “Stillleben”?
Adler: Es ist ein wunderbares Genre der Fotografie – leider wird es oft unterschätzt. Für Einsteiger ist Stillleben-Fotografie ein weites Feld, um seine Blicke zu säen, um seine Fähigkeiten zum Blühen zu bringen und seine Fähigkeiten wachsen zu lassen. Poetisch gell? Ein Stillleben hält ja bekanntlich still und somit kann man sich viel Zeit lassen – Zeit, die sich mit der heutigen Hektik immer weniger vereinbaren lässt, aber für die Kreativität immens wichtig ist. Ein gutes Foto entsteht nicht unter Zeitdruck, sondern mit Zeit und Druck, nur auf den Auslöser.
AW: Herzlicken Dank für das Gespräch!
Autorin: Almut Adler studierte nach ihrer Fotografenausbildung Grafikdesign. Einige Jahre war sie als freischaffende Grafikerin tätig und absolvierte 1977 eine Zusatzausbildung in Color-Retusche und Airbrush-Technik. Sie unternahm viele Reisen durch Afrika, Amerika, Asien, Europa und eine einjährige Solo-Weltreise. Anfang der 80er Jahre lebte die Autorin in Somalia und war in der Hauptstadt Mogadishu u.a. für die UNESCO tätig. Heute leitet sie Fotokurse in München und gibt sechs Mal jährlich Fotoworkshops in Spanien.
Am 27. August 2009 um 14:15 Uhr
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Am 27. August 2009 um 14:35 Uhr
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Am 27. August 2009 um 14:45 Uhr
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